Freitag, 23. Juli 2010

Kinderladen Maimouna


Der Kinderladen Maimouna blickt inzwischen auf 25 Jahre gelebte Vielfalt in Altona Altstadt zurück. Angefangen hatte alles 1985 im Haus 3 in der Hospitalstr., wo im afrikanisch-deutschen Kommunikationszentrum SOKONI die Idee reifte, einen Kinderladen für Kinder mit Rassismus-Erfahrung zu gründen.
1991 wurde der Internationale Kinderladen in der Blücherstr. eröffnet, drei Jahre später zog der Ableger „Maimouna e.V.“ in den Lawaetzweg. Von Spekulanten vertrieben, zog der Kinderladen Maimouna 2005 in die Holstenstr. direkt an den Grünzug. Dort werden 36 Kinder zwischen 3 Monaten und 6 Jahren betreut.
Die Gründungsidee ist geblieben: Eine Kita , in der sich Kinder, Eltern und MitarbeiterInnen mit Migrationshintergrund willkommen und ernst genommen fühlen. Die sechs PädagogInnen, die Maimouna als Erzieherinnen-Initiative gemeinsam verwalten und organisieren, blicken stolz auf die vergangenen Jahre zurück, in denen es etliche Krisen zu meistern gab. „Besonders diskriminierend wirkt sich die Einführung des Kita-Gutschein-Systems im Stadtteil aus, das viele Kinder nach hause schickte bzw. ihnen erst gar keinen Kita-Platz gewährt“, sagt Comfort Zarp, die in ihrer ghanesischen Comunity viele Fälle kennt. In einem international besetzten Team arbeiten die ErzieherInnen gleichberechtigt zusammen,lernen sich wertzuschätzen und die unterschiedlichen Ausbildungen und Erfahrungen anzuerkennen. Im Kita-Alltag leben sie den Kinder interkulturelle Kommunikation und die Auseinandersetzung mit Widersprüchen vor: Vielfalt als Stärke!
„Es kommt nicht darauf an, die Zahl der Nationalitäten angeben zu können, die „alle unter einem Dach“ betreut werden. Viel wichtiger ist die Öffnung für Heterogenität und der professionelle Umgang damit“, meint Elke Straub, Mitgründerin der Kita.
Der Kinderladen Maimouna versteht sich als politisches Projekt, das Forderungen an die Einwanderungsgesellschaft und insbesondere an das Bildungssystem stellt. Bei jeder Gelegenheit wird das Recht auf Bildung von Anfang an auch für Kinder ohne Papiere eingefordert, die für Politik und Jugendhilfe nicht existieren und für die es auch an den meisten Schulen immer noch keine deutliche Aufnahmebereitschaft gibt. „Kein Kind darf illegalisiert und von Bildung ausgeschlossen werden, das ist ein Skandal“, meint dazu Gadirou Barry. Das pädagogische Konzept lässt den Selbstbildungspotentialen der Kinder weiten Spielraum , sich ihre Welt zu konstruieren, ohne Selbstverleugnung und kulturellen Anpassungsdruck. Die mehrsprachige Förderung trägt dazu erheblich bei: Muttersprache, ja bitte!!! Neben den Bildungsbereichen Bewegung, Musik, Rollenspiel, Bauen und Konstruieren sowie Natur und kulturelle Umwelt hat der Bereich „Kreatives Arbeiten“ einen hohen Stellenwert in der Bildungsarbeit des Kinderladens. Kreatives Arbeiten ist eine Form des Nach-Denkens über Erfahrungen. Gestaltendes Denken ermöglicht es dem Kind, seine inneren Bilder, die es aus konkreten Handlungserfahrungen gewonnen hat auf verschiedene Art gestalterisch nach zu empfinden – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu abstraktem Denken, wie es in der Schule vorausgesetzt wird. Entsprechend finden die Kinder im Atelier Material vor, das sie herausfordert, sich künstlerisch auszudrücken.
„Wir versuchen durch wahrnehmende Beobachtung herauszufinden, welche Interessen und Themen die Kinder gerade verfolgen und stellen ihnen dann Raum und Material zur Verfügung, an das sie andocken und sich über forschendes Lernen ihre Welt konstruieren können“, erklärt Amara Duscha ihre Arbeit als Fachfrau für kreatives Arbeiten. Das geschieht in allen anderen Bildungsbereichen genauso. Weg von Angebots- und Instruktionspädagogik, hin zu offener Arbeit und autonomem Lernen. Jede MitarbeiterIn hat sich einem Bildungsbereich zugeordnet, ist für ihren/seinen Funktionsraum zuständig und bildet sich als Fachfrau/-mann kontinuierlich fort. Dabei spielt für die sechs KollegInnen die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie und die Reflektion der eigenen (kulturellen) Werte eine große Rolle. „Wir haben uns lange und intensiv mit unseren eigenen Wurzeln und Kindheitserfahrungen auseinandergesetzt, die unterschiedlicher nicht sein können“, meint Damarys Fernández, „das war ein wichtiger Prozess , um uns gegenseitig besser kennenzulernen aber auch um eigene Vorstellungen zu hinterfragen und Veränderungen anzugehen.“ Das Team nimmt sich Auszeiten, um die Arbeit zu reflektieren und weiter zu entwickeln.

„Wir dürfen das Träumen nicht vergessen“, sagt Akhtar Daneshgar, die sich zur Inklusion zur Heilpädagogin fortbildet hat. Für die Aufnahme von Kindern mit Handicap und zur Schaffung von mehr (Spiel-)Raum hat das Team zusammen mit den Kindern eine Vision von einem Um- und Ausbau in konkrete Ideen gefasst, die von der Architektin Silkata Sahin-Adu auf Papier gebracht wurden. „Wir wollen dem Masterplan für Altona-Altstadt, der den Abriss unserer Kita vorsieht, etwas entgegen setzen“, so die entschlossene Haltung. Die SAGA/GWG als Vermieterin , hat sich für diese Pläne offen gezeigt.
Nun wird ein Sponsor gesucht.
Mehr Informationen unter www.maimounakila.de